Oder: Was willst du mit Twitter eigentlich erreichen?

Qualität macht sich ja scheinbar in unserer Wahrnehmung auch ganz oft an Quantität fest: Als besonders erfolgreich gilt der Star, der mit seiner Performance Stadien füllen kann. Oder das Unternehmen, das sein Produkt millionenfach verkauft. Der Sammler, der die meisten Exemplare seines Sammelgegenstandes sein eigen nennen kann. Der Autor, der Beststeller produziert.

Vielleicht erklärt das, warum Ashton Kutcher und Demi Moore, das Promi-Twitterer-Paar mit seinen Riesenaccounts, ständig in den Medien gehypt wird. Die schier unglaubliche Zahl von Menschen, die den per Twitter verbreiteten Statements der beiden folgen, ist ja tatsächlich enorm (aktueller Stand @APlusK: 3.274.873, @mrskutcher: 1.807.463 Follower). Das scheint ebenfalls zu signalisieren, dass man umso erfolgreicher ist, je mehr Menschen einem auf Twitter folgen.

Allerdings wird dabei gern vergessen, dass die beiden – ebenso wie andere Promi-Twitterer – schon vor ihrer Twitter-Karriere sehr erfolgreich waren. Menschen folgen ihnen also, weil sie bereits berühmt sind, und tragen so mit dazu bei, dass sie noch berühmter werden. Aber sie hatten es durch ihren Promistatus vergleichsweise einfach, sehr schnell eine große Gefolgschaft aufzubauen. Ähnlich wie die berühmte amerikanische Talk-Masterin Oprah Winfrey: Schon bevor sie in ihrer Sendung am 17. April diesen Jahres das erste Mal live twitterte, hatte sie bereits 69.000 Follower.

Ich will jetzt gar nicht in die Diskussion „Masse oder Klasse“ einsteigen, denn ich glaube, es geht hier gar nicht um „richtig“ oder „falsch“. Die Frage ist, was man mit Twitter erreichen möchte. Und danach richtet sich dann die Vorgehensweise, um Follower zu gewinnen.

Deine Twitter-Ziele bestimmen deine Twitter-Strategie

Als ich mit Twitter startete, war das ein recht spontaner Impuls, und ich bin ohnehin der Typ, der gerne „learning by doing“ betreibt. Eine klare Strategie, wie ich Twitter für mich und mein Business nutzen wollte, hatte ich zu Anfang also nicht.

Nun bin ich seit vier Monaten dabei und kurz davor, bei der Followermarke in den vierstelligen Bereich durchzustoßen. Ganz allmählich reift in mir die Erkenntnis, dass ich Twitter besser als bisher nutzen möchte, um auch neue Interessenten, Kunden und Aufträge zu generieren. Deshalb beschäftige ich mich zurzeit sehr intensiv mit entsprechenden Reports, Tools und Artikeln, um zu entscheiden, welche Strategie in Zukunft für mich sinnvoll sein könnte.

Meine bisherigen Schritte:

Als erstes hatte ich meinen Account mit @nasenfaktor benamst – das war eine gute Entscheidung, denn ich werde mit diesem Produkt identifiziert. Da ich in der Blogosphäre und über Xing und andere Netzwerke schon recht gut vernetzt bin, hatte ich recht schnell eine dreistellige Followerzahl erreicht. Das weckte natürlich meinen sportlichen Ehrgeiz – ich wollte mehr!

Also rief ich eine Aktion namens #WOMM ins Leben, den ersten Word-of-Mouth-Marathon auf Twitter. Dafür legte ich einen zusätzlichen Twitter-Account an: @mein_tipp. Damit wollte ich erreichen, dass Twitterer sich gegenseitig qualifizierte Empfehlungen geben. Leider war mein Timing nicht so geschickt, denn beinahe gleichzeitig ging Tweetranking an den Start. Gleiche Idee, aber technisch natürlich klar besser umgesetzt. Da konnte ich nicht mithalten, aber ein wenig Aufmerksamkeit und diverse neue Follower brachte mir die Aktion dann doch.

Als vorerst letzten Schritt habe ich dieses Twitter-Blog ins Leben gerufen. Hier schreibe ich über mehr oder weniger neue Tools und meine Erfahrungen damit, veranstalte Umfragen und diskutiere ganz allgemein die Möglichkeiten des Marketings mit Twitter.

Warnung vor dem Eigentor

Ich hatte von Beginn an auf „Qualitäts-Follower“ gesetzt und war daher den meisten Verfolgern aus den USA oder anderen englischsprachigen Ländern nicht zurückgefolgt. Diese nutzten offenbar Automatisierungs-Tools zur Followergewinnung und waren nicht wirklich an meinen Tweets interessiert, denn schließlich poste ich ausschließlich auf Deutsch. Das wäre ja nicht weiter schlimm gewesen.

Aber dann kam ich auf eine ganz dumme Idee:

Genervt von den vielen M*L*M- und Networkmarketing-Nervensägen (zum Unterschied von echtem Empfehlungsmarketing zu M*L*M siehe diesen Artikel ) publizierte ich ein paar Tweets des Inhalts, sie bräuchten mir gar nicht erst zu folgen, weil ich sie ohnehin blocken würde. Blöd ist nur: Was ein richtiges Automatisierungs-Tool ist, das folgt eben leider ausschließlich bestimmten Keywords. Das hatte ich mir nicht klargemacht … :-( .

Und da stand nun also in meinen Tweets dick und fett M*L*M. Ein Freudenfest für all diese Tools, die mir nun natürlich gnadenlos folgten – weil sie die inhaltliche Bedeutung meiner Tweets gar nicht erfassen konnten. (Und genau aus diesem Grund setze ich hier im Beitrag auch Sternchen zwischen die Buchstaben – man muss sich die Leute ja nicht noch extra anlocken. Ja doch, ich bin lernfähig ;-) )

Das ist im Übrigen aus meiner Sicht auch der größte Nachteil der meisten Automatisierungs-Tools. Wenn man sie nutzt, kann man sich unter Umständen sehr schnell sehr unbeliebt machen … Aber das ist wieder ein anderes Thema.

Die beste Strategie bei unerwünschten Verfolgern ist meiner Erfahrung nach: schlicht ignorieren oder gleich blocken. Dann ist Ruhe im Karton!

Und wie geht’s jetzt weiter?

Ich habe meine Ziele für Twitter inzwischen klar definiert und für mich entschieden, was ich innerhalb welchen Zeitraums erreichen möchte. Eine wachsende Followerzahl ist für mich kein Selbstzweck, sondern ich will Twitter ganz klar auch zum Marketing und letztlich auch Verkauf meiner Dienstleistungen nutzen, und zwar stärker als bisher.

Noch bin ich nicht ganz entschieden, was die nächsten Schritte sein werden, aber ich halte euch auf jeden Fall auf dem Laufenden.

Wie seht ihr das: Twittert ihr „strategisch“ oder einfach drauflos – oder vielleicht ein Mittelding?

Ich habe dazu eine Umfrage gestartet, schaut doch mal vorbei und stimmt ab:

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